Callcenter-Betrug – Welche Rolle spielen Telefonieanbieter?

Johanna
15.10.2015 6 3:59 min

Immer wieder kommt es vor, dass vor allem ältere Menschen via Telefon um Geld betrogen werden. Bei den Tätern handelt es sich häufig um Banden mit Sitz im Ausland, die in perfektem Deutsch vorgeben, Staatsanwälte, Polizisten oder ähnliche Autoritätspersonen zu sein. Die Opfer sehen die vermeintlich seriöse Identität der Täter durch entsprechende Rufnummern auf ihrem Telefondisplay bestätigt. Wie ist das möglich? Und welche Rolle spielen Telefonieanbieter wie sipgate in solchen Fällen?

In einer Presseanfrage wurden wir gebeten, zu Betrugsanrufen durch vorgetäuschte Rufnummern – kurz „Call ID Spoofing“ – Stellung zu nehmen. Ein wichtiges Thema, von dem wir glauben, dass es euch sicherlich genauso interessiert, wie die Journalistin, die sich an uns gewandt hat.

Weil das Thema „Call ID Spoofing“ technisch komplex ist, kommt es immer wieder zu Missverständnissen über den tatsächlichen Ablauf solcher Betrugsanrufe. Wir haben uns deshalb für einen fiktiven Frage-Antwort-Dialog entschieden, um den Sachverhalt von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Los geht’s:

Ist es legal, eine beliebige Nummer als Absendernummer zu setzen?

Ja. Der legale / richtige Weg ist das Servicemerkmal „CLIP no screening, das so heißt, weil der Anrufer es frei setzen kann, ohne dass der Anbieter die Gültigkeit der Nummer überprüft („no screening“). Dieses Merkmal wird von vielen Telefongesellschaften mit ISDN angeboten (beispielsweise auch von der DTAG). Eine Rufnummer selbst setzen zu können – man spricht hier von der “User Provided”-Nummer – ist somit ein ganz reguläres Produkt. Diesen Weg gehen die Kriminellen aus dem Ausland aber meist nicht.

Welchen Weg wählen die Betrüger dann, um eine gefälschte Nummer zu senden?

Der Weg, der hier in der Regel eingeschlagen wird, ist folgender: Es gibt zahlreiche international operierende Telefongesellschaften, die anbieten, nicht nur die “User Provided”-Nummer nach Wunsch des Kunden zu setzen, sondern auch die “Network Provided”-Nummer. Hierbei handelt es sich um die “echte” Rufnummer, die eigentlich nicht der Kunde bestimmen, sondern ausschließlich von der Telefongesellschaft gesetzt werden sollte. Über solche unseriösen Telefongesellschaften werden dann große Mengen von Anrufen automatisiert an Listen von Telefonnummern geführt, bis jemand erreicht wird, der ein lohnendes Ziel darstellt.

Profitiert sipgate kommerziell von derartigen Betrugsanrufen?

Nein, ganz sicher nicht. Die Anrufe werden nicht über unser Telefonnetz geführt, sondern – wie bereits erläutert – über internationale Anbieter, die das Übermitteln einer frei gesetzten „Network Provided“-Absenderrufnummer ermöglichen. Die Betrüger setzen also lediglich in manchen Fällen sipgate Rufummern als Absender, ohne dass der Anruf tatsächlich durch unser Netz geht. So gern wir das unterbinden würden – wir können diese Anrufe gar nicht sehen und deshalb an dieser Stelle leider auch nicht eingreifen. Auch von der Vergabe von Rufnummern an die Betrüger profitieren wir nicht, da ein Telefonanschluss bei uns kostenlos ist. Ganz im Gegenteil: Wir betreiben einen erheblichen Aufwand, um Betrüger möglichst schnell zu erkennen und sofort zu sperren. Das produziert regelmäßig Kosten.

Können Telefonieanbieter versuchen, den Betrug aktiv zu verhindern?

Ja. Wir haben z.B. freiwillig eine ganze Reihe von Sicherungsmaßnahmen eingeführt, die eine missbräuchliche Nutzung unserer Dienste weitestgehend ausschließen. Genau nennen können wir diese aus sicherlich nachvollziehbaren Gründen nicht. Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass die Zahl der uns bekannten Betrugsfälle im letzten Jahr um über 50% gefallen ist. Darüber hinaus stimmen wir unsere Maßnahmen auch mit anderen Anbietern ab, um neue Methoden schneller zu erkennen und besser gegen kriminellen Missbrauch vorgehen zu können.

Wenn uns eine verdächtige Nummer mitgeteilt wird, überprüfen und sperren wir diese in der Regel innerhalb weniger Stunden. Außerdem gleichen wir unseren Nummernbestand täglich mit einer „Blacklist“ ab, um auch ohne Rückmeldung von Kunden missbrauchte Rufnummern zu erkennen und zu sperren. Selbstverständlich unterstützen wir auch ermittelnde Behörden umgehend bei Anfragen. Allerdings können durch unsere Maßnahmen keinerlei Akquise-Anrufe verhindert werden, weil diese Anrufe wie beschrieben nicht über unser Netz laufen.

Übrigens: Das entsprechende Gesetz enthält keine konkrete Verpflichtung zu einer bestimmten Überprüfung von Angaben eines Kunden. Trotzdem erfolgt das bei uns sehr gewissenhaft und zum Teil auch händisch. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es allerdings nicht, denn mit genügend krimineller Energie lassen sich selbst die komplexesten Maßnahmen umgehen.

 

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