UX Research Template für eure User Interviews

Dora
18.02.2021 0 5:31 min

In 8 Schritten von Notizen zu Insights (in Miro)

Interviews gehören zu den gängigen User Research Aktivitäten. Im Normalfall moderiert eine Person die Session und weitere Kolleg:innen machen sich Notizen zu dem Gespräch. Wir stellen euch in diesem Artikel ein Template vor, mit dem ihr als Team einfach und effektiv Notizen sammeln und Insights generieren könnt.

Vorab das Ganze in Kürze: Ihr kopiert unsere Template-Vorlage und füllt sie mit euren Leitfragen, Themen oder Screenshots. Schon kann’s los gehen. Das beobachtende Team kann fröhlich drauf los notieren. Alles hat seinen Platz und macht somit die Nachbearbeitung einer Session effektiver und effizienter. Wie das im Detail funktioniert, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Template vorbereiten

Schritt 1: Template öffnen/ anlegen

Bevor ihr mit euren Interviews startet, richtet ihr das Template in dem Online Whiteboard Tool Miro ein. Kopiert euch unsere Vorlage.

Falls ihr Mural oder ein anderes Tool verwendet, baut euch das Template anhand unserer Beschreibung und Screenshots nach.

Übersicht von User Legende und Stickys für User 1

Schritt 2: Leitfaden einarbeiten

Nehmt euren Leitfaden für das Interview. Schreibt eure Interviewfragen für die Befragten in Kurzform von links nach rechts auf die lila Karten.
Unterhalb dieser Karten erstellt ihr pro Frage einen separaten Bereich. Dort kann sich das Team später Stickies von den vorbereiteten Sticky-Stapeln nehmen und bereits während der Session thematisch ordnen.

  • Tipp 1: Im Falle eines Usability-Tests könnt ihr zusätzlich Screenshots des Prototypen in die lila Karten einfügen.
  • Tipp 2: Nutzt die letzte lila Karte für “Sonstiges”. Falls in den Sessions spontan ein wichtiges Thema aufkommt, sammelt ihr die Aussagen dort.

Schritt 3: Themenblöcke bilden

Bildet Themenblöcke für thematisch verwandte lila Karten und findet dafür Oberbegriffe. Diese könnt ihr in die „Big Topic“ Platzhalter einfügen. Habt ihr beispielsweise mehrere Karten, die auf die Identifikation eurer Zielgruppe abzielen, verwendet “Zielgruppe” als “Big Topic”. 

Oberhalb der Big Topics findet ihr pro Themenblock einen weiteren Bereich für Notizen. Falls das Gespräch sehr schnell vorangeht, kann das Team seine Stickies hier zumindest grob thematisch einordnen.

Schritt 4: Felder und Stickies für Notizen vorbereiten

Für das Team bereitet ihr Sticky-Stapel in verschiedenen Farben vor. Die Farben stehen für unterschiedliche Kategorien, wie zum Beispiel:

  • Neutrale Aussagen → „Default“ (blau)
  • Positive Aussagen → „Pro“ (grün)
  • Negative Aussagen & Probleme → „Pain“ (rot)
  • Zitate → „Quote“ (gelb)
  • Wünsche und Ideen → „Idea/ Wish“ (rosa)

Ordnet den befragten Personen Stickies zu, indem ihr die Stickies mit Tags kennzeichnet. So könnt ihr nach dem Clustern zurückverfolgen, wer was gesagt hat. Wenn ihr innerhalb der Tags zusätzlich Icons verwendet, erkennt ihr schneller, welche Stickies zu wem gehören. Außerdem macht das Ganze mit Alpakas und Pandas mehr Spaß ;). 

Schritt 5: Vorlage für alle Befragten kopieren

Zum Schluss vervielfacht ihr die Vorlage der/ des ersten Befragten (User 1) für eure Anzahl Interviews. So habt ihr für jedes Interview einen eigenen Frame (=Bereich) für Notizen. Achtet darauf, dass ihr die Tags in den bunten Stickies für jede:n Befragte:n anpasst. 

Template anwenden

Bevor ihr mit den Sessions startet, sollte das gesamte Team wissen, wie es mit der Vorlage arbeitet. Während der Interviewrunde schnappt sich jede:r Stickies von den vorbereiteten Stapeln. Dann platzieren alle ihre Notizen in den dazugehörigen Bereichen unterhalb der lila Karten.

Verfasst nach jeder Session in dem Titel des Frames des/ der jeweiligen Befragten oben links eine Kurzbeschreibung, um euch später an die einzelnen Personen besser zu erinnern – natürlich ohne Klarnamen oder andere Infos, die Rückschlüsse auf die Person zulassen.

Insights generieren mit Hilfe des Templates

Schritt 6: Von Stickies zu Clustern 

Für das Session-übergreifende Clustern, existiert ein weiterer Frame “Clustered Insights” mit identischem Aufbau (beschriftete lila Karten; Bereich für Notizen).

In den Bereichen unterhalb der lila Karten sammelt ihr die Stickies aller Befragten. Bildet Cluster und benennt sie, um eure Information zu verdichten. 

Eine kurze Beschreibung der einzelnen Cluster hilft euch, Struktur in die Auswertung zu bringen und erste Annahmen zu treffen.

  • Tipp 1: Macht die Auswertung nicht alleine, sondern im Team.
  • Tipp 2: Macht’s zeitnah. Die Erinnerung verblasst zügig und ihr müsst euch auf schnell dahin gekritzelte Stickies verlassen. Idealerweise erledigt ihr das zwischen den Sessions – plant z.B. 45 Minuten zum Clustern und Besprechen ein. 

Schritt 7: Von Clustern zu Insights

Um präzise Insights aus euren frisch geclusterten Erkenntnissen zu gewinnen, gibt es je nach Research Methode unterschiedliche Möglichkeiten. Es bietet sich an, Cluster für Cluster vorzugehen. Votet im Team auf die Cluster, um zu priorisieren, mit welchem ihr startet. 

Wenn ihr Usability Tests auswertet, beschreibt das jeweilige Finding kurz und leitet eine Handlungsempfehlung ab. Wichtig: Betrachtet eure Handlungsempfehlungen als Vorschläge und macht diese als solche kenntlich. Zusätzlich könnt ihr notieren, wie viele der Befragten Aussagen zu dem Insight gemacht haben und ein passendes Zitat oder einen Screenshot hinzufügen. Außerdem könnt ihr die Insights in Kategorien wie “Important” oder “Low hanging fruit” einordnen.

Bei der Aufbereitung von explorativen Interviews könnt ihr aus den Clustern Hypothesen ableiten und diese als Basis für weitere Research Aktivitäten nutzen.

  • Tipp: Achtung beim “Zählen von Befragten”: Nur weil fünf von sechs Personen etwas äußerten, ist dieses Insight nicht relevanter oder dringender, als etwas was nur zwei Personen erwähnten.

Schritt 8: Teilt eure Insights

Das Wichtigste zum Schluss: Sprecht möglichst zeitnah mit euren Stakeholdern über eure Insights. Falls Personen nicht bei der Durchführung der Interviews dabei waren, unterstützt ein kurzer Videozusammenschnitt eure Stakeholder dabei, ein Gefühl für die Befragten und die Insights zu bekommen.

Schlusswort

Wir arbeiten iterativ und lernen gerne dazu. Daher sind wir darauf gespannt, welche Vorlagen ihr nutzt und wie ihr unser Template anpasst. Wir freuen uns, wenn’s euch vorwärts bringt – lasst uns gerne Feedback in den Kommentaren da. Danke für eure Zeit und frohes Researchen!

Carina Edinger, David Ranftler, Dora Brune, Juliana Brell, Lina Tegel

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