Gerne per Du – oder: Siezen wie die Hamburger

Johanna
20.10.2020 15 2:16 min

Wir duzen hier im Blog und in den sozialen Medien. Im Büro? Sowieso. Egal ob Kolleg:innen, Vorstände von DAX-Unternehmen, Journalist:innen oder Kund:innen. Dabei machen wir es von der Situation und den beteiligten Personen abhängig, ob wir das Duzen thematisieren, um Einverständnis bitten oder in ganz wenigen Ausnahmen eben doch darauf verzichten. Denn natürlich soll sich jeder wohl und respektiert fühlen. Das Angebot, sich zu duzen, hat tatsächlich noch niemand ausgeschlagen – und das bei weit über 10.000 Menschen, die unser Büro pro Jahr besuchen (b.c., before Corona, versteht sich). Wir sind immer wieder freudig überrascht, welche Wirkung so ein vermeintlich kleiner sprachlicher Twist haben kann. Da rückt die Form auf einmal in den Hintergrund und macht Platz für mehr Inhalt und Austausch auf Augenhöhe.

Warum siezt ihr dann überhaupt noch?

Erwischt: In Mails, auf Websites und auch am Telefon siezen wir als hinge unser Leben davon ab. Während bei unseren neueren Services satellite und CLINQ das Duzen von Anfang an Usus war, haben wir zum Start von sipgate team, sipgate basic und simquadrat (noch) aufs Sie gesetzt. Das jetzt umzudrehen und mehrere 100.000 Kund:innen von heute auf morgen ungefragt zu duzen, fühlt sich einfach nicht richtig an. Das war nicht der Deal, auf den man sich eingelassen hat. Und so darf selbstverständlich jeder der mag mit gutem Recht aufs Sie bestehen, ohne das begründen zu müssen. Wer in den letzten Tagen eine Mail von uns bekommen hat, hat vielleicht trotzdem schon gemerkt, dass wir auch beim Sie einen kleinen Schritt gewagt haben. Und zwar gen Norden, zum sogenannten Hamburger Sie. Wir verzichten bei der Begrüßung in Zukunft auf den Nachnamen und siezen im Anschluss herzlich hanseatisch. In der Praxis liest sich das dann in etwa so: „Hallo Johanna, wir haben den Punkt verstanden, kommen Sie langsam zum Ende.“ Mach ich. Aber vorher noch ein Angebot.

Gerne per Du

Dass wir dem Du gegenüber offen sind, sollte bis hierhin jedem klar geworden. Konkret heißt das: Wer uns duzen möchte, kann das ohne Vorankündigung oder Absprache jederzeit tun. Und wer duzt, wird zurückgeduzt, logisch. Dass es durch den Mix aus Du und Sie auch mal uneinheitlich werden kann, ist für uns okay. Wir hoffen, für euch auch. Und wie immer gilt: Lasst uns reden. Wir freuen uns auf eure Kommentare, Gedanken und Meinungen zur Duzdebatte.

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15 Kommentare


Werner:

Hallo Johanna,
danke für den guten Artikel. Hallo natürlich auch allen hier lesenden.
Für mich steht das Du – schon immer, in der Jugend war das sowieso der Fall – im Vordergrund. Ich hatte allerdings auch mal einen damals älteren Kollegen der auf Sie bestand, habe ich selbstverständlich respektiert. Wir hatten trotzdem ein tolles sehr kollegiales Verhältnis. Wir trafen uns auch Privat. Das war zum ersten Mal als ich bemerkte dass man auch mit einem Kollegen/Mitmenschen ein sehr gutes Verhältnis pflegen kann, wenn derjenige (nicht ich) auf Sie besteht. Ansonsten war und bin ich immer für das Du. Ich bin Erwerbsminderungsrentner, als ich noch arbeitete war ich mit den Chefs, mit Kollegen, und mit den meisten Kunden auch per Du. Ich hatte allerdings auch ein sehr gutes Verhältnis mit den Kunden, bei den das Sie angewandt wurde. Manchmal wusste ich selber nicht, warum mit manchen Kunden, mit den ich mich sehr gut verstand, nicht per Du war. Im Internet – auch bei Sipgate – nutze ich das Du, mit der Ausnahme wenn das Gegenüber Sie wünscht. Ohne zu Fragen warum wird das akzeptiert. Offline wundere ich mich oft, warum ich nicht, wie vor Jahren als ich noch jünger war, nicht alle mit Du anspreche, außer jemand wünscht mit Sie angesprochen zu werden. Ich wundere mich – und verstehe es selber nicht – warum ich mit manchen in unserem 8 Parteien Eigentümer Haus nicht per Du bin. Kann das sein, dass das mit dem Alter zusammen hängt, dass man nicht einfach die meisten duzt und zurück geduzt wird. Ich finde mit jüngeren Jahren war das Du einfach selbstverständlicher. Verstehe eigentlich nicht warum das nicht mehr so ist, wenn man älter wird. Eigentlich unverständlich, zumindestens für mich. Aber auch von Sipgate wurde ich beim Telefonieren schon mit Sie angesprochen, was ich eigentlich nicht verstanden habe warum das so ist. Normalerweise hätte ich mit Du geantwortet, da ich aber nicht wusste wie das beim Gegenüber ankommt, habe ich dann doch auch Sie gesagt. Beim nächsten Mal wenn ich mit Sipgate Mitarbeitern telefoniere, maile oder sonst wie in Kontakt trete Duze ich und bitte darum mich auch zu duzen. Im Englischen und Amerikanischen ist es viel einfacher da gibt es nur You, ein Wort, nicht Du und nicht Sie. Man spricht sich mit Vornamen an, oder halt mit Herr (Mister) und dem Nachnahmen. Ich würde es begrüßen, wenn es im Deutschen Sprachraum auch nur ein Wort dafür geben würde und nicht Du und Sie. Das ist Mist meines Erachtens mit Du und Sie, so weiß man nicht immer wie man sich verhalten soll. Meine Meinung dazu.

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    Johanna:

    Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, lieber Werner. Wir freuen uns schon auf deine nächste Kontaktaufnahme. :)

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MA:

„b.c., before Corona“ haha! Super! Das wird definitiv ins kollektive Gedächtnis übergehen.

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    Johanna:

    Juhu!

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TOM:

Hi Zusammen. Im persönlichen Kontakt stört mich das Du selten, aber stukturietes Du wie beim schwedischen Möbelhaus finde ich so was von daneben und oft geht schon eine gewisse Respektlosigkeit und Flapsigkeit damit einher. Man sagt einfacher Du Depp als Sie Depp, hat mal ein Lehrer von mir gesagt und ich denke, man sollte etwas vorsichtiger sein und nein ich mag mich nicht von jedem im Fittnessstudio duzen lassen, nur weil ich auch hier trainiere. Und spätestens wenn mich die Rezeptionistin auch nach dem ich sie höflich Sieze immer noch mit Vornamen und Du anspricht wird es unverschämt. Also wünsche ich Ihnen und Euch ein schönes WE und entschuldige mich jetzt schon den männlichen und diversen Rezeptionisten * nicht extra aufegeführt zu haben :-(

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    Johanna:

    Lieber Tom, das können wir absolut nachvollziehen. Wie immer im Leben gibt es auch bei diesem Thema nicht nur schwarz oder weiß, sondern ganz viele Zwischentöne. Zum Glück. Vielen Dank für Ihr Feedback und ebenfalls ein schönes Wochenende.

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Werner:

Selbstverständlich sollte man respektieren, wenn jemand mit Sie angesprochen werden möchte. Wer vom Sie zen nichts oder nicht viel hält, sollte man das allerdings genauso respektieren. Vom Sie zen halte ich nichts oder nicht viel, praktiziere dies aber selbstverständlich, wenn dies vom Gegenüber, dem Mitmenschen, gewünscht wird, kann dem Sie aber gar nichts abgewinnen. Ich bin und bleibe der Meinung, dass das Du die beste Anrede ist. Ich bin Erwerbsmindungsrentner, solange ich im Arbeitsleben tätig gewesen bin, war ich mit den allermeisten Kunden (viele Stammkunden) per Du, genauso wie mit den allermeisten Kollegen. Auch mit Abteilungsleitern, Mitarbeitern von Abteilungen war ich per Du. Man hat mir damals gesagt, ich solle aufpassen, dass ich nicht auch die Vorstandsmitglieder per Du anspreche. Für mich war und ist Du das richtige in allen Lebenslagen. Es würde reichen, wie im englischen Du und mit Vornahmen, und Du in Ausnahmefällen Du und Herr oder Frau so und so. Selbstverständlich respektiere ich andere Meinungen und Sie ze, wenn dies gewünscht sein sollte vom Gegenüber. Für mich völlig unverständlich warum es bei uns im Deutschsprachigen Raum Du und Sie und nicht einfach eine einzige Anrede, Du gibt. Im englischsprachigen Raum funktioniert dies doch auch.

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    Philipp:

    Hallo Werner. Vielen Dank für deine Gedanken. Und ja, in anderen Sprachen stellt sich diese Frage gar nicht. Aber auch unsere Sprache bleibt stetig im Wandel und das ist doch auch irgendwie spannend, oder?

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      Werner:

      Philipp, wenn Du meinst nichts ist beständiger als Wandel, dann kann ich dem nur beipflichten. Was die Sprache betrifft gehört m. M., baldmöglichst, auf ein Du vom auf Du und Sie umgestellt. Aus dem Englisch Sprachigen Raum die verstehen gar nicht, was es da für eine unnötige Du und Sie Auswahl im Deutschsprachigen Raum gibt. Mit Du und Sie macht man es sich und anderen bei uns unnötig schwer, das müsste doch wirklich nicht sein.

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M.Urlichs:

Hmm. Ich wünsche mir eigentlich ein „Du/Sie“-Auswahlfeld in meinem Profil …

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    Philipp:

    Hallo und vielen Dank für die Idee – da haben wir tatsächlich auch kurz dran gedacht. Und im Prinzip funktioniert es ja jetzt auch nach diesem Prinzip, allerdings ohne Auswahlfeld: Wer uns duzen möchte, kann das jederzeit tun und wird zurückgeduzt. Ansonsten bleibt es beim Sie.

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Christopher Maria Ricke:

Ich begrüße es sehr, gesiezt zu werden und sieze auch. Das Du ist bei mit für Freunde und Familie reserviert, von anderen Leuten ungefragt geduzt zu werden finde ich aufdringlich und übergriffig. Ich bin sehr froh, wenn Sie die Form wahren! Das „Hamburger Sie“, also Vorname und Sie ist übrigens die Form, in der höhergestellte Bürger ihr Personal ansprachen. Also: „Magda, gehen Sie bitte Butter besorgen“. Er trieft vor Herablassung und sollte gemieden werden.

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    Werner:

    Eine Einstellung die ich nicht teile. Für mich ist es unergründlich, warum man, auf Sie, im Deutschsprachigen Raum, besteht. Bei Freunden und Familien, klar da sagt wohl kaum jemand Sie, das wäre sonst unbegreiflich. Wo ich beipflichten kann, von dem Hamburger Sie halte ich auch nichts. Nur eine Ansprache Du, wie im Englisch Sprachigen Raum. Einzige Abgrenzung Du und Vornahme, oder Du und Herr oder Frau So und So, wenn es denn nicht anders geht. Meine Meinung dazu.

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    Johanna:

    Wir wahren die Form. Versprochen, Herr Ricke. Wir verlassen uns weiterhin selbstverständlich auf Kontext und Intuition. Und sollte etwas mal nicht passen, kann man es jederzeit ansprechen. Das ist ja das Schöne daran, wenn man miteinander in den Dialog tritt.

    Auf das „Hamburger Sie“ werden wir vor allem in automatisierten Mails allerdings nicht verzichten. Zum einen ist es auch hier eine Frage des Kontexts: Die Herablassung, von der Sie schreiben, ist ja nicht zwingend im Hamburger Sie verankert, sondern im Duktus des Gesagten. In meinen Ohren hat „Frau Müller, gehen Sie bitte die Butter besorgen“ nicht weniger Potenzial, herablassend zu klingen, als die an Magda gerichtete Bitte. Zum anderen haben wir uns aber auch für diese Form entschieden, weil wir keine geschlechtsspezifischen Anreden mehr verwenden möchten. Eine ganze Weile haben wir uns mit der Variante „Hallo Vorname Nachname“ abgefunden, waren damit aber nie wirklich zufrieden. Zu technisch, zu unpersönlich. Das Hamburger Sie fühlt sich da einfach besser an.

    Und auch zum Abschluss noch ein Versprechen: Wir werden unsere Kund:innen niemals bitten, die Butter zu holen. Ganz großes Ehrenwort. :)

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Werner:

Hallo Johanna, ich würde begrüßen wenn in E-Mail „Hallo Vorname“ – und Du, nicht nur bei Sipgate – bei der Ansprache, genauso wie in einem Telefonat, genutzt werden würde. Sie und Vorname ist nichts halbes und nichts ganzes. Einfach nur Du und das Sie streichen. Notfalls Du und Nachnahmen. Genau wie im Englisch Sprachigen Raum. Warum machen wir uns damit unnötig das Leben schwer, mit Du und Sie, das verstehe ich nicht. Ich akzeptiere Sie, wenn jemand unbedingt so angesprochen werden möchte, dann möchte ich aber auch mit Sie angesprochen werden, obwohl ich vom Sie nichts halte. Warum sich das Leben mit Du und Sie unnötig verkomplizieren? Verstehe ich nicht und begreife ich nicht. Meine Meinung dazu.

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