Anrufe auf Mobil im Festnetz annehmen?

Corinna
13.04.2016 12 2:46 min

Wäre das nicht eine Top-Funktion? Wenn ein Anruf auf meiner Mobilrufnummer auch auf dem Festnetz-Telefon auf meinem Schreibtisch klingeln würde?

Umgekehrt geht es ja auch! Mobilfunk ist komplett in unsere virtuelle Telefonanlage sipgate team integriert, d.h. Anrufe auf meiner Festnetznummer klingeln – wenn ich das will – auch auf meinem Handy. Das ist ein sogenannter Parallelruf (beides klingelt) nicht nur eine Weiterleitung von Festnetz auf Handy. Die umgekehrte Richtung müsste also auch möglich sein, oder?

Ja, technisch gesehen geht das schon lange und wir möchten das schon seit Jahren gerne anbieten. Aber Telefonie ist ein regulierter Markt und bisher war die Abrechung unklar und die pinke Post hat sich auch mit Händen und Füßen dagegen gesträubt.

Technische Details

Das Problem liegt bei den verschieden hohen Entgelten für Terminierung auf Festnetz oder Mobil. “Terminierung” nennt man das Zustellen eines Anrufs im Netz eines anderen Anbieters. An den allermeisten Anrufen sind ja 2 Telefonanbieter beteiligt, 1. der Anbieter bei dem der Anrufer Kunde ist und 2. der Anbieter bei dem die Angerufene Kundin ist. Den Anruf bezahlt der Anrufer an den 1. Anbieter. Da der 2. Anbieter auch eine Leistung erbringt, bezahlt der 1. Anbieter dem 2. Anbieter etwas für die Terminierung. Für eine Terminierung im Festnetz ist das sehr wenig und für eine Terminierung in einem Mobilfunknetz schon etwas mehr. Beide Entgelte sind durch die Bundesnetzagentur reguliert. Alle Anbieter müssen sich gegenseitig also das gleiche berechnen, nicht mehr und nicht weniger. Wenn ein Anruf auf einer bei uns geschalteten Mobilrufnummer eingeht, unser Kunde aber auf einem Festnetzanschluss annimmt, was bekommen wir dann vom Anbieter des Anrufers? Das Mobilfunk-Entgelt, weil das der Anrufer bezahlt hat? Oder das Festnetz-Entgelt, weil das die bei uns entstandenen Kosten deckt? Ein entsprechendes Modell – Anruf an eine Mobilfunknummer, aber tatsächliche Gesprächsannahme am Festnetz – wurde bislang am Markt nicht angeboten und war daher in der deutschen Regulierungspraxis schlicht nicht vorgesehen. Außerdem weigerte sich die pinke Post, weil sie – trotz unserer mittlerweile 10-jährigen Geschäftsbeziehung – befürchtete, dass wir zu viel Mobilfunkentgelte abrechnen würden.

Und nun?

Wir haben die Bundesnetzagentur um Hilfe gebeten und am 10.9.2015 gab es folgenden Beschluss: Auf der einen Seite hat sich die Bundesnetzagentur der pinken Post angeschlossen und es gilt die Aussage, “die Luft muss schwingen”. D.h., bei Anrufen an Mobilrufnummern muss auch auf mobile Endgeräte (im Fachjargon “über die Luftschnittstelle”) terminiert werden um das hohe Terminierungs-Entgelt zu berechnen. Auf der anderen Seiten ist die pinke Post nun verpflichtet diese Art Parallelruf zuzulassen. Wir kriegen also nur das niedrigere Festnetz-Entgelt wenn wir auf Festnetz zustellen, so dass der andere Anbieter die Differenz zum Mobil-Entgelt behält. Der andere Anbieter macht Gewinn und wir machen innovative Telefonie. Immerhin :)

Ganz in trockenen Tüchern ist es allerdings noch nicht. Momentan läuft beim Verwaltungsgericht Köln ein Verfahren wie die Abrechnung genau laufen und überprüft werden soll. Drückt uns die Daumen! Wir sind zuversichtlich, dass wir und ihr bald [™] ein neues Feature haben!

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12 Kommentare


Krau:

Danke für den interessanten Einblick. Das sollte auch erklären, warum die Funktion bei simquadrat (leider) wieder entfernt wurde.

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Christoph:

Hmm, wenn man das zu Ende denkt müsste die pinke Post dem Kunden dann aber auch weniger berechnen. Oder?

Funktion ist aber super und sinnvoll.

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Jens:

Hallo, interessanter Artikel, aber ein Frage bleibt: Was hindert euch denn daran, wenigstens für Anrufe die über die Festnetznummer des simquadrat-Accounts eingehen, einen Parallel-Ruf anzubieten? Für diese Anrufe bekommt ihr ja ohnehin nur das Festnetzentgelt, dann sollte es ja auch möglich sein, diesen über das Internet zu terminieren.

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Daniel:

Danke für den sehr interessanten Hintergrundartikel.

Warum geht es denn aus regulatorischer Sicht nicht, dass man das vorhandene Feature „Parallelcall“ (oder, falls das der Knackpunkt sein sollte, eben über das Feature „Weiterleitung“) dazu nutzt, eine parallele Signalisierung von auf der Mobilnummer eingehenden Anrufen auch auf der Festnetznummer zu realisieren? Im Prinzip kann sich das ja momentan schon jeder Simquadrat-Kunde selbst einrichten, indem er im SQ-Dashboard unter „Parallelcall“ die Festnetznummer einträgt (ggf. eines zusätzlichen basic-Accounts, falls es zu einem call loop führen sollte). Da das momentan schon technisch machbar ist, gehe ich davon aus, dass dies keinen regulatorischen Bedenken unterliegt.

Man kann das nur leider so noch nicht ernsthaft als Feature „Mobilanrufe auch auf dem Festnetz annehmen“ bewerben, weil dann dieser quasi „interne“ Parallelcall von der Berechnung ausgenommen werden müsste (um für den Kunden attraktiv zu sein. Ich will ja keine 9 Ct./Min extra zahlen, nur um statt des Handys das Telefon in der Hand halten zu können.)

Ansonsten schließe ich mich meinem Vorredner Jens an, das alte VOIP-Feature sollte es unbedingt wieder geben, wenigstens mit Festnetznummer, idealerweise dann mit grünem Licht der Regulierung auch für die Mobilnummer. Habt ihr das nur deswegen für Neukunden eingestellt, weil es Verwirrung stiftet? Es gibt ja zahlreiche Locations, wo der Mobilempfang unterirdisch ist, man aber einen Breitbandanschluss hat, z.B. Hinterhof im Altbau unterhalb des 2. OG kenne ich mehrere Gebäude, wo der Empfang extrem schwach ist.

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Bäz:

@Daniel – Es gibt mehrere gute Gründe, warum wir in simquadrat keine VoIP-Extension mehr anbieten. Der wichtigste Grund ist der Supportaufwand. Im Vergleich zu Mobilfunk ist VoIP einfach ein wenig komplexer und wir waren als simquadrat-Team mit der Anzahl von technischen Anfragen zum Thema Voice over IP völlig unbeleckter Kunden komplett überfordert. In dem Moment, als wir als sipgate unter der Marke simquadrat Voice over IP anboten, war die Produktwahrnehmung einfach durcheinander: Handelt es sich nun um ein Mobilfunkangebot? Oder ein VoIP-Produkt, das nur im Mobilfunk funktioniert? Eine App, die VoIP über 3G ermöglichte? Niemand hat das verstanden. Das komplette Chaos brach aus und wir gingen wirklich in Supportanfragen unter.

Das war allerdings nicht der einzige Grund. Hier noch ein paar weitere: Doppelt und dreifache Preislisten mit nicht nachvollziehbarem Preisgefälle, ein totales Durcheinander im Featurestore bei Flatrates für VoIP und Mobil, unzureichende Abgrenzung zu sipgate basic (was ja eigentlich die besseren VoIP Extensions bietet).

Wir glauben, dass wir mit sipgate basic ein ausgezeichnetes VoIP-Produkt haben. Und mit simquadrat ein überaus gutes Mobilfunkprodukt. Wir wollen unsere Energie lieber dahingehend investieren, dass beide Produkte auf Wunsch sehr gut gemeinsam miteinander nutzbar werden. Das halten wir für besser, als in jedem einzelnen Produkt die Funktionen des jeweils anderen nachzubauen.

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Bebbi:

Also dass man Preise in zwei Listen nachschlagen muss, habe ich auch erst mit der Zeit mitbekommen, liese sich aber leicht lösen.

In der Anwendungspraxis ist es aber mega praktisch zu Hause den Anruf am VOIP-Apparat entgegen nehmen zu können.Da bin ich froh, dass ich das Feature noch als Früh-Anwender noch habe.

Gegen eine sinnvolle Kombination von beiden Angeboten ist natürlich eine Perspektive, aber es kommt auf die Ausgestaltung an. Und am Ende muss das preislich auch für Nicht-Power-User auch tragbar sein (damit meine ich was anderes als preislich mit 08-15-Basis-Disount-Angeboten mithalten können)

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Daniel:

@Bäz Danke für die Erläuterung, wirklich gut nachvollziehbar. Ich war damals selbst verwirrt, als es noch Sipgate go und Simquadrat gab, bei „go“ hieß es, man bekomme zum SIP-Zugang auf Wunsch eine SIM-Karte dazu und Simquadrat war eine SIM-Karte, bei der man einen SIP-Zugang im Feature Store buchen konnte… Also im Grunde genommen exakt das Gleiche, nur von zwei Seiten aufgezogen. :s

Wie auch immer man es letztlich technisch löst, ich finde die (bei Bedarf) mögliche tiefere Integration von basic und Simquadrat sehr gut. Ich habe hier einige Use Cases, z.B. familienweite Erreichbarkeit a la „Unified Messaging“. Jeder hat ein Handy und damit auch eine (Simquadrat-)SIM, aber ich würde gerne am Liebsten nur eine einzige Rufnummer rausgeben, auf der dann aber eine bessere Erreichbarkeit gegeben ist, weil sie z.B. parallel auf den Handys der Eltern und auf dem VOIP-Telefon zuhause klingelt.

Damals in der Annahme, go+SIM bzw. SQ+VOIP sollen eine Art „Sipgate team“ für Privatkunden werden, fand ich dies innovativ. Nur brauchen Privatkunden ja keine (virtuelle) Telefonanlage. Aber Innovation darf es dann doch sein. Wenn ich Simquadrat isoliert betrachte, ergibt es z.B. im privaten Bereich keinen Sinn, jemandem nur seine Festnetznr. zu geben. Manche Leute würden denken, ich bin sowieso nicht zuhause und nicht anrufen, für andere wiederum (Kunden) möchte ich bequem erreichbar sein. Da suggeriert die Anwahl einer Festnetznr., dass man auch Zeit für’s Gespräch hat. Ganz unabhängig, was gewählt wurde, möchte ich aber auch die Freiheit haben, zuhause Mobilanrufe auf dem VOIP-Telefon anzunehmen.

Ein Schuh wird also daraus, wenn basic und Simquadrat zusammenwachsen. Wie die Idee von „one“ – eine einzige Rufnummer auf der Visitenkarte.

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Robert:

@Bäz Die Geschichte mit den Preisen ließe sich sehr leicht lösen wenn man im Mobilfunk und über VoIP die gleichen Preise anbieten würde. Ich hab es als es die Option noch gegeben hat schon nicht verstanden warum ihr da Unterschiede macht, dem Kunden kann es doch egal sein ob er z.B. seine Allnet Flat plus für 19,95 über das Handy oder von zuhause über VoIP nutzt. Ich finde den Parallelruf über VoIP sehr komfortabel und sehr schade, dass ihr dieses Feature heute nicht einmal wenigstens optional anbietet. Verbesserungspotential gäbe es auch nach oben, es wäre super wenn über VoIP nicht nur die Festnezunummer sondern auch die Mobilfunknummern erreichbar wären.

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Joe:

Daß der Parallelruf auf den Simquadrat-VoIP-Zugang nicht funktioniert, habe ich leider erst nach der Portierung meiner Mobilfunknummer zu Simquadrat gemerkt. Das VoIP-Feature ist für mich eigentlich das Thema, was Simquadrat für mich von anderen Mobilfunkanbietern unterscheidet und daß die Mobilfunknummer eingehend nur auf dem Mobilgerät signalisiert wird, war die Einschränkung, die ich mit der Portierung eigentlich loswerden wollte. Ich wußte nicht, daß es dafür rechtliche Gründe gab.

Wenn ich ehrlich bin, haben geographische Rufnummern für mich keine Zukunft mehr und möchte diese nicht mehr nach außen kommunizieren. Das mag vielleicht okay sein, wenn in einem großen Vorwahlbereich wie Berlin oder Hamburg ansässig ist. Wenn man jedoch draußen auf dem Land ein paar Kilometer umzieht, verliert man gleich alle Rufnummern mit der alten Vorwahl. Meine Mobilfunknummer hingegen konnte ich seit 1999 problemlos behalten. Die unterschiedliche Tarifierung für Anrufer spielt in Zeiten von Allnet-Flatrates und einheitlichen Minutenpreisen im Mobilfunk auch immer weniger einer Rolle.

Daß VoIP andere Preise hat, als direkte Mobilfunknutzung hat mich keineswegs verwirrt (seltsam sind nur die höheren Kosten zum Mobilfunk über VoIP als über die SIM-Karte). Ich finde es eigentlich ganz prima, daß ich alles unter einer Oberfläche finde und mich nicht zusätzlich noch mit einem zweiten Produkt wie Sipgate Basic beschäftigen muß.

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Daniel:

@Bäz @Corinna Gibt es inzwischen ein Update zu Annahme von auf der Mobilnummer eingehenden Anrufen auf der VOIP-Extension? Für team wäre das gut und auch für Simquadrat-Kunden mit Bestandsschutz des VOIP-Features.

Außerdem würde mich interessieren, ob ihr Ideen habt, wie man einem privaten „team 1“-Nutzer (d.h. genau eine Festnetznr., ein VOIP-Telefon sowie eine SIM) gerecht werden könnte?

In diesem Use Case wird z.B. nicht notwendigerweise eine Mobilnr. benötigt und eingehende Telefonate sollen parallel klingeln, weil man zuhause gerne am komfortablen Snom in HD-Audio telefoniert und unterwegs auch jederzeit erreichbar sein will. Man gibt dann nur noch eine Nr. bekannt, hat die Accounts minimiert auf einen statt basic+Simquadrat und als Tarif könnte ich mir eine Kombi aus Festnetzflat sowie auf der SIM ein Minutenpaket bzw. einen Fair-Use-Tarif vorstellen. Fax, mehrere VOIP, RUL, ja sogar die Voicemail wird damit eigentlich nicht benötigt, da man ja fast immer erreichbar ist; ergibt auch ein wunderbar übersichtliches Dashboard.
Für diesen Case hätte ich einige Interessierte, die an einfacher Handhabung ohne aufwändige Erklärungen interessiert sind, sich nicht basic und SQ zulegen und beides konfigurieren möchten. Quasi leichter Einstieg bei plausibler Produktdifferenzierung zu konventionellen Anbietern und dann volle Flexibilität des Feature Stores. Nicht jeder Mobilnutzer ist ein Poweruser, an die sich Simquadrat richtet. Persona dieses Cases können Privatnutzer wie Singlehaushalte und Freiberufler sein. „team 1 light“ eben.
Den Umstieg auf team 3 bei Gefallen kann man ja so einfach wie möglich gestalten – auch wenn es nur um eine zusätzliche Daten-SIM für’s Tablet oder Partner-SIM für Partner oder Kind(er) geht.

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Frank Meißner:

Ich finde solche Funktionen erleichtern das arbeiten ungemein. Man muss nicht gleichzeitig auf mehrer Geräte achten und in der Nähe haben sonder wenige. So kann man sich besser auf die Arbeit konzentrieren und ist nicht vom hin und her gestresst.

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