Hallo, wo gehts denn hier zu meinem neuen Laptop?

Rudolph
04.10.2018 0 6:28 min

Man kennt das vielleicht aus dem eigenen Arbeitsleben: der eigene Computer wirkt schon etwas antiquiert, ist dem Alltag nicht mehr so ganz gewachsen, aber an ein neues Modell kommt man nur über den Passierschein A38 – oder man kennt zufällig den Tom von der IT, der kann da etwas regeln. Wir möchten Euch heute einmal vorstellen, wie wir das Thema Arbeitsplatz-Hardware hier bei sipgate angehen – lasst uns gerne Feedback/Ideen/Anregungen in Form von Kommentaren da!

Die sipgate Workstation-Umgebung ist wohl das, was man im klassischen Sinne als “heterogenes Netzwerk” bezeichnet. Hier mischen sich bunt Linux-, Windows- und Apple-Clients. Während wir vor einigen Jahren noch in die Lager Linux- (Entwickler, Admins, “IT Menschen”) und Windows-Workstations (“alle anderen”) geteilt waren, hat sich das Bild in den letzten Jahren stark gewandeln. Das liegt unter anderem daran, dass wir als sipgate Campus IT den Mitarbeitern weniger beziehungsweise andere Vorschriften machen als früher. Vor einigen Jahren war es noch so, dass die Campus IT mehr oder weniger alleine entschieden hat, wer welches Arbeitsgerät bekommt. Dadurch kann man den “Hardware-Zoo” klein halten, sich gut mit der Automatisierung der Hardware beschäftigen und den Einkauf optimieren. Klingt aus IT-Sicht erst einmal super – aber was sagen denn die Mitarbeiter dazu? Software Entwickler, Kundenbetreuer, Buchhalter, Linux Evangelisten, Apple Jünger, Ästheten, “Flugsimulator-Bildschirm-Setup”-Kollegen – Kategorien gibt es mehr als Finger an beiden Händen.

Ciao Workstations, Hallo Notebooks

Bei sipgate waren lange Zeit zu 90% feste Linux- oder Windows-Workstations der Standard. Unsere Software Entwickler als größerer Teil der mittlerweile knapp 150 Frau und Mann starken Belegschaft haben hier vor einigen Jahren einen Umbruch eingeleitet. Durch die nun crossfunktional aufgestellten Produktteams wurden Team- oder Raumwechsel immer häufiger, was bei fest verkabelten Workstations irgendwann sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Arbeitsweisen wie Pairing haben das Problem zusätzlich verstärkt, weil man sich mit einer Workstation nun einmal nicht “mal eben” zum Zusammenarbeiten irgendwo treffen kann. Im Vergleich zu anderen Firmen ist der großflächige Wechsel zu Notebooks eher spät passiert – vorher gab es schlicht keinen Grund für uns.

Ciao Microsoft

Wie bereits erwähnt, bestand die Systemlandschaft der Clients bei sipgate vor fünf bis sechs Jahren noch überwiegend aus Linux- und Windows-Workstations. Wissen rund um Linux ist für uns kein Problem – schließlich managen wir auch ca. 600 Linux Server und haben jede Menge Erfahrung mit dem automatisierten Aufsetzen und Konfigurieren von Linux Systemen (hier: Debian und Ubuntu). Bei Windows sieht es anders aus: ein stiefmütterlich behandeltes Active Directory, mäßige Begeisterung für Gruppenrichtlinien und keine richtige Software Verteilung haben jedes neue Windows System eher zur Qual gemacht (für die Campus IT wie für den wartenden Anwender). Die Anfälligkeit für Viren, Trojaner & Co sowie der hohe Pflegeaufwand für fünfzig oder mehr Windows Clients haben uns dazu gebracht, der Firma Microsoft endgültig den Rücken zu kehren. Wie so oft gilt: keine Regel ohne Ausnahme. Einige wenige Systeme für die Buchhaltung oder für Testzwecke gibt es noch, darüber hinaus haben wir in den letzten Jahren allerdings alle ersetzt.

Windows ist weg – und jetzt Apple für alle?

Nachdem wir zunächst noch den Fehler gemacht haben, Leuten ihre Hardware vorzuschreiben (Kundenbetreuer, Product Owner oder Scrum Master bekamen zum Beispiel ein Macbook Air, Entwickler ein Lenovo Thinkpad oder ein Macbook Pro etc.) mussten wir mal wieder feststellen, wie wenig man am Ende doch im Detail über die Arbeit der Leute weiss. Schlussendlich haben wir uns gesagt “die Leute können schon am besten entscheiden, mit was für einem Gerät sie effizient arbeiten können – und wenn sie es nicht wissen, werden sie schon fragen”. Frei nach diesem Motto haben wir einen Hardware Katalog aufgestellt, aus dem jeder Mitarbeiter bei seiner Einstellung oder wenn ihm das Gerät zu alt/zu langsam vorkommt wählen kann. Aktuell umfasst dieser Katalog ein Thinkpad für Linux, ein Macbook Pro in dreizehn Zoll, eines in fünfzehn Zoll und ein kleines Macbook in zwölf Zoll. Damit decken wir die meisten Anforderungen ab – zusätzlich halten wir diese Hardware immer auf Vorrat, um auch bei kurzfristigen Anfragen oder defekten Geräten schnell helfen zu können.

Drei mal Apple und nur einmal Linux?

Diese Frage haben wir uns natürlich auch gestellt – auf der Seite der Linux Nutzer ist die Nachfrage nach verschiedenen Laptop Größen allerdings nicht sonderlich groß. Nachdem wir eine ganze Weile mit den Ultrabook-Varianten (mit dem “S” Suffix im Modellnamen) der Thinkpad T-Serie gefahren sind, wurde die geringe Leistung bemängelt und wir haben das nach einer Umfrage durch die größere “P”-Variante ersetzt. Gleichzeitig sind wir einen Schritt weiter gegangen: Software-Entwickler/-innen können sich jedes beliebige Notebook bestellen, solange sie folgende Einschränkungen akzeptieren:

  • Das Betriebssystem (Linux) muss selbst eingerichtet werden
  • Die Festplatte muss verschlüsselt sein
  • Probleme müssen selbst untersucht/behoben werden

Das von der Campus IT unterstützte Lenovo Modell kann dagegen automatisch per PXE-Boot aufgesetzt werden, integriert sich in die LDAP/Kerberos Umgebung von sipgate und bei Problemen kann man sich jederzeit melden und bekommt zum Beispiel zeitnah Ersatz-Hardware. Bisherige Erfahrung: der Großteil greift zur bekannt-funktionierenden Hardware, einige wenige wählen den “Weg der Freiheit”.

Insgesamt liegt die Verteilung der Geräte ungefähr bei 30% Linux und 70% Apple – ob 2019 also das Jahr des “Linux auf dem Desktop” wird, können wir gerade noch nicht mit Sicherheit sagen.

BYOD?

Man mag denken: der Sprung zu “BYOD” (“Bring your own Device”) ist jetzt nicht mehr weit. Warum überhaupt noch etwas vorgeben? Ein wesentlicher Teil von sipgate sind wohl unsere Produkte und der Code, durch den sie erst entstehen. Und natürlich unsere Kunden und die Kundendaten, die Euch bei uns repräsentieren. Beides hat unserer Meinung nach nichts zwischen privaten Projekten, Spielen oder der eigenen Steuererklärung verloren. Daher gibt es – zwar wenige – aber zwingende Einschränkungen, wie die zur Wahl stehenden Betriebssysteme oder eine Verschlüsselung der Daten.

Was kommt noch?

Derzeit bieten wir keine Möglichkeit, die eigene Arbeitsumgebung nach irgendeinem Standard zu sichern und wiederherzustellen. Für Apple Produkte bietet sich zum Beispiel das zentrale Bereitstellen eines Timemachine-Speichers an. Das wird aber auch schnell teuer beziehungsweise skaliert nicht so gut. Dazu kommt die Tatsache, dass “all things sipgate” in einer internen Github Instanz leben, Dokumente im Google Drive oder anderen (lokalen) zentralen Speichern und die zu sichernden Dinge sich häufig auf Konfigurationen der Lieblings-Anwendungen wie Editoren, Entwicklungs-Umgebungen, Shells und so weiter beschränken. Einige Kolleginnen und Kollegen experimentieren hier beispielsweise mit Ansible, da sich Playbooks und Konfigurationen natürlich ebenfalls wunderbar in Git Repositories einchecken und konservieren lassen. Daher ist es gut möglich, dass sich das Thema Backup durch Automatisierung von alleine löst.

Mit der aktuellen Lösung sind wir zufrieden – aber wir versuchen uns ständig zu verbessern und betrachten das Thema in einem Jahr sicherlich mit ganz anderen Augen. Wenn sich größere Änderungen ergeben, lassen wir es Euch wissen!

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