Park statt Parkplatz – So unterstützt Büroarchitektur unsere Arbeitskultur

Melanie
29.08.2018 0 5:30 min

“Ich bin ganz neidisch auf euren Hof” – Dieses Feedback bekomme ich häufig bei Führungen über den sipgate Campus. Was soll ich sagen: Es ist in der Tat super, seinen Arbeitsplatz im Sommer temporär nach draußen zu verlegen, ein Team-Meeting an der frischen Luft abzuhalten oder sich nach dem famosen Mittagessen noch ein Eis aus der Blauen Bude* zu holen.

Für uns ist Büroarchitektur ein wichtiger Pfeiler unserer Arbeitskultur. Ein mit Autos vollgestellter Parkplatz bietet dabei wenig Raum für Kreativität. In dem Moment, als wir hinter dem sipgate-Gebäude einen Parkplatz bauen konnten, war klar: Wir gestalten einen Hof, der Inspiration und auch Entspannung bietet.

Für die Gestaltung und Architektur haben wir uns natürlich Unterstützung gesucht. Den Erstentwurf gestaltete Architekt Frank Zeising:

Erstentwurf des Hofs | ©sipgate

Die Grundidee haben wir aufgegriffen und gemeinsam mit Innenarchitekt Mike Neubauer (Kudos <3) weiter ausgestaltet und verfeinert. Er ist übrigens auch für die Gestaltung der sipgate kitchen verantwortlich. Wir haben gemeinsam so viel Liebe und Gedanken in unseren Hof gesteckt, dass die Planungszeit von Treppen, Innenausbau der Blauen Bude, Laufwegen und Wasserfällen fast ein halbes Jahr gedauert hat.

Das Modell erweckt die Idee zum Leben | ©sipgate

Nach insgesamt zweijähriger Planungsphase startete das Großprojekt “Vom Parkplatz zum Park” mit dem Spatenstich am 15. August 2016. Im Flug sind die zwei Baujahre nicht vergangen, aber in dieser Timelapse dauert der Umbau nur 43 Sekunden:

Für unser Jahrbuch hat Carsten Johannisbauer, u.a. Dozent an der Hochschule Düsseldorf für Gestaltung und Stadtsoziologie, unseren Sigurd zum „neuen“ sipgate Campus interviewt. Sigurd ist bei sipgate für die Büroarchitektur verantwortlich, und hatte damit natürlich auch bei der Parkgestaltung den Hut auf.

Ich bin ja nicht so oft vor Ort, für mich ging die Umsetzung des Parks schnell voran – oder täusche ich mich?

Das waren jetzt zwei Jahre und da hängen sehr, sehr viele Gewerke dran. Wahrscheinlich exakt so viele Gewerke wie Monate. Das sind tatsächlich Spezialisten aus ganz Deutschland. Der Luwadur-Boden, der da liegt, ist aus Berlin. Dort sitzt die einzige Firma, die das herstellt. Luwadur ist eine kunstharzgebundene Wegedecke, mit der umweltverträgliche, luft- und wasserdurchlässige Wege und Flächen gestaltet werden können.

Wer war denn für die Planung und Durchführung verantwortlich?

Das hatte der Landschafts- und Gartenarchitekt Uli Moll sehr, sehr gut in der Hand und wir haben einen Generalunternehmer, an dem das meiste hängt, aber nicht alles. Der musste das koordinieren, besonders von den Zeiten her. Die ganzen Veranstaltungen, die wir hier hatten und haben, schoben das Ganze natürlich auch auf. Das ist aber nicht schlimm.

Seid ihr Pächter oder Eigentümer des Geländes?

Wir sind Pächter.

Der Vermieter war begeistert?

Das läuft immer nach demselben Muster ab. Ich gehe zu unserem Vermieter, Herrn S., und sage: „Herr S. wir haben uns da so was überlegt.“ Dann sagt er: „Herr Jaiser, das geht doch nicht.“ Und zwei Minuten später sind alle Vorurteile aus der Welt geräumt und er sagt zu.

Seht ihr das Bauvorhaben als Investition?

Tatsächlich ist es eine Investition und eine Frage von Produktivitätssteigerung. Ganz banal, bringt das was, wenn Leute draußen im Freien arbeiten können, wenn man die Whiteboards draußen hinstellen kann, wenn es hier drinnen im Sommer zu warm wird. Steigert das zum Beispiel die Kreativität? Das wäre ja denkbar. Genauso wie durch das Wasserbecken, den kleinen Wasserfall und die Gräser, die im Wind rauschen. Das wird Auswirkungen haben. Und wir haben schon einen sehr, sehr lang laufenden Mietvertrag, sonst wäre das tatsächlich ein Quatsch. Für zwei Jahre macht man so etwas nicht.

Vorher: Parkplatz mit langweiligen Autos | ©sipgate

Nachher: Park mit Platz zum Arbeiten, Meeten oder auch einfach mal Entspannen | ©sipgate

Es war aber auch laut auf der Baustelle?

Ja, aber abgesehen davon sind alle tierisch happy. Es war über Wochen echt laut. Der ganze Teer, Asphalt und es gab tatsächlich noch ganz viel Material von zerbombten Häusern aus dem zweiten Weltkrieg. Das lag alles komplett im Innenhof und musste entsorgt werden. Das ging nur mit schweren Maschinen. Das war schon nervig. Ich hoffe, das haben alle schon wieder vergessen. Naja, jetzt habe ich es ja unkluger Weise erwähnt. Beim Lesen werden sich alle wieder erinnern.

Werden die Mitarbeiter den Park annehmen und nutzen?

Ja, das ist wie mit allem. Er ist da und dann wird irgendwas daraus entstehen. So wie bei unserem Familienfest, bei dem im ersten Jahren 250 Besucher kamen und drei Jahre später 1000. Der Park ist für die Mitarbeiter, zum Arbeiten, zum am-Abend-Runterkommen, zum Chillen im Sommer. Es ist in irgendeiner Form Employer Branding. Klar, wenn Außenstehende hier hinkommen und geflasht sind von dem Innenhof, und denken, das ist aber ne coole Company, das gucke ich mir mal an. Dann hätte der Park Einfluss auf die Mitarbeitergewinnung. Das spielt immer ein Rolle. Wenn das hier alles so gigantisch und aufgeräumt ist, färbt das auch auf die Produkte für den Kunden ab. Man kommt hier hin und denkt: Die Company muss echt geile Produkte bauen. So, wie es bei denen aussieht, wie das Essen ist, was es für eine Anzahl an Getränken gibt und wie toll das alles ist. Es müssen unfassbar tolle Produkte sein. Das befruchtet sich alles immer gegenseitig.

Jetzt im Sommer dann statt Food-Truck Gegrilltes aus dem Kiosk?

Alles vorstellbar. Das wird sich alles entwickeln. Es gab viel Positives von den Mitarbeitern. Alle sind tierisch happy.

*Apropos „Blaue Bude“: Unser neuer heiß geliebter Kiosk hat eine ganz nostalgische Geschichte und ein Vorbild, das in Porto Colom an Mallorcas Ostküste steht. Die „Chiringuito Blue Bar“, zu deutsch: blaue Bude, war ein wichtiger Anlaufpunkt bei einem Firmenausflug im Jahre 2006. Vorteile des Vorbildes: Strandlage und Tapas. Was wir davon übernommen haben: Farbe und Tapas.

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