sipgate bringt Arbeit und gesellschaftliches Engagement in Einklang 

Daniel
31.05.2019 0 4:18 min

Es ist 2019 – unserer Wirtschaft geht es nach wie vor blendend und der technische Fortschritt ermöglicht vieles. Doch zivilgesellschaftliche Themen bleiben oft auf der Strecke und sind mehr denn je auf das Engagement vieler helfender Hände angewiesen. In Deutschland sorgen Millionen Ehrenamtler*innen für einen funktionierenden Sozialstaat. Dieses Engagement hält unsere Gesellschaft zusammen und ist ein zentraler Pfeiler unserer Demokratie. Wegen (nahezu) Vollbeschäftigung findet dieses Engagement überwiegend durch Berufstätige in der Freizeit statt – am Wochenende, nach Feierabend und in den Mittagspausen.

Ehrenamt wird komplexer

Doch eine Gruppe hat aufgrund des Fachkräftemangels und der Vollbeschäftigung besonders Schwierigkeiten, sich einzusetzen: Junge Talente, gefangen im Verlangen einer vermeintlichen Karriere und gleichzeitig mit dem Anspruch, etwas Sinnvolles zu tun. Vor allem die “Generation Why” möchte Leidenschaft und Kompetenzen vielfältig und wirksam teilen. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Organisationen, die die technischen und agilen Fähigkeiten dieser Generation händeringend brauchen. Solche Handlungsfelder findet man unter anderem in den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen:

Die Besonderheit der 17 Ziele liegt darin, dass sie für alle Staaten der Welt gelten und sich alle Staaten für diese Ziele aktiv einsetzen.

Die zunehmende Geschwindigkeit und Dynamiken machen eine Planung für gesellschaftliche Initiativen immer weniger vorhersehbar. Demnach erhalten diese Aktivitäten immer mehr agilen Projektcharakter, so zum Beispiel Aktionen zu politischen oder gesellschaftlichen Veränderungen, Ferien- und Ausflugsbegleitung mit Kindern oder Menschen mit Behinderung, unvorhergesehene Krisen, Katastrophen sowie Auslandsprojekte von Hilfsorganisationen. Diese benötigen einen gewissen Fokus und Unterstützung, die nicht mehr nur nach Feierabend oder durch Wochenend-Engagement zu bewerkstelligen sind. Ein Beispiel sind Kampagnen der gemeinnützigen Organisation ProjectTogether.

Herausforderung Europawahl

ProjectTogether ist ein digitaler Inkubator für Sozialunternehmer*innen, also unterstützt alle Menschen, die ein gesellschaftliches oder ökologisches Problem unternehmerisch lösen wollen. Für die Sonderaktion “#Europawahl19” benötigte es ein agiles Team über fünf Wochen mit dem Ziel, mindestens eine Millionen Nichtwähler im Alterssegment 18 bis 30 Jahre zu motivieren, wählen zu gehen. Denn 2014 haben nicht einmal die Hälfte der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Die geringste Wahlbeteiligung hatten hierbei die jungen Erwachsenen: hier wählte nur jeder Dritte. Im Hinblick auf Trump, Brexit und Co. ist es wichtiger denn je, zur Wahl aufzurufen. Ich wurde gefragt, ob ich bei dieser Aktion nicht kurzfristig mitmachen möchte.

Wahlbeteiligung bei den Europawahlen in Deutschland von 1979 bis 2014Wahlbeteiligung bei den Europawahlen in Deutschland von 1979 bis 2014 (Quelle: Statista / Bundeswahlleiter)

Ausprobiert: Eine neue Form der Freistellung

Mitarbeiter haben laut Gesetz keinen Anspruch auf die Freistellung für eine ehrenamtliche Tätigkeit. Ein Verbrauch von Urlaubstagen ist eher kontraproduktiv, denn schließlich soll ich mich in dieser Zeit erholen. Es musste also eine unkonventionelle Lösung her. Da ich mich als Wayfinder gerade in einem Wechsel zwischen Teams befand, schlug ich sipgate vor, mich für den Projektzeitraum freizustellen. Die schnellen Entscheidungswege im Haus führten dazu, dass ich in weniger als 24 Stunden grünes Licht für meinen Einsatz in Berlin bekam: Ich erhielt unbezahlten Urlaub für die fünf Wochen und zusätzlich sorgte eine großzügige Spende für die finanzielle Absicherung des zeitkritischen Projektes!

Und so ging es am 30. März nach Berlin, um ein Kampagnen-Boostcamp von vorne bis hinten zu organisieren. Wir haben zusammen mit 50 eingeladenen Campaignern, Strateg*innen, Video- & Fotograf*innen etwa 15 bestehende und neue Kampagnen (weiter)entwickelt um die Wahlbeteiligung unter jungen Menschen zu erhöhen. Knapp zwei-dutzend Influencer*innen mit einer Reichweite von fast 10 Millionen Fans haben diese vor Ort produzierten Inhalte dann auf Social Media bis zum Wahltag am 26. Mai ausgespielt. So zum Beispiel wurde die Kampagne “Willst du mit mir wählen gehen?” sogar international bekannt. Ergebnis? Etwa 61% aller Stimmberechtigten in Deutschland gingen am Sonntag zur Wahl, das entspricht einem Plus von 13% in Sachen Wahlbeteiligung!

Fast Food, Döner und lange Arbeitszeiten waren in der Vorbereitungszeit unvermeidbar. Neben meinen Bekannten und Kollegium hier in Düsseldorf habe ich vor allem das sipgate-eigene Restaurant und die Stempeluhr vermisst! Rückblickend hatte ich nicht nur Abwechslung, sondern konnte auch neue Fähigkeiten trainieren, welche bei sipgate zur Geltung kommen können. Und natürlich schwingt ein inneres Gefühl tiefster Erfüllung nach.

Nachmachen erwünscht!

Dies soll ein Beispiel sein und anderen Mitarbeiter*innen Mut machen, sich trotz eines hohen Bedarfs am Arbeitsmarkt für ziviles Engagement einzusetzen. Unternehmen können über die üblichen CSR-Maßnahmen und Spenden hinaus durch die Freistellung ihrer Kollegen*innen echte Wirksamkeit erzeugen. Eine Organisation ist eine juristische Person und hat somit wie natürliche Personen nicht nur Rechte, sondern muss auch Pflichten wahrnehmen. Ein dreifacher Gewinn also für Gesellschaft, Unternehmen und Angestellte!

 

Impressionen vom EU-Boostcamp:

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